
Die Heizsaison beginnt, doch trotz eingeschalteter Heizung fühlen sich manche Räume unangenehm kühl an. An manchen Stellen bildet sich Kondenswasser, vielleicht sogar Schimmel. Die Ursache sind oft Wärmebrücken - versteckte Energiefresser in Ihrem Gebäude.
Was sind Wärmebrücken?
Wärmebrücken sind Stellen in einem Gebäude, an denen Wärme schneller nach außen abgeleitet wird als in angrenzenden Bereichen. Sie entstehen dort, wo die Gebäudehülle geschwächt ist oder unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen.
Das Prinzip
Stellen Sie sich die Gebäudehülle wie eine Winterjacke vor. Wärmebrücken sind wie Löcher oder dünnere Stellen in dieser Jacke - an diesen Punkten entweicht die Wärme besonders schnell.
Die drei Erkennungszeichen
1. Kältere Oberflächen
An Wärmebrücken sind die Innenoberflächen deutlich kälter als in anderen Bereichen. Dies lässt sich mit einem einfachen Thermometer feststellen.
2. Kondenswasser (Tauwasser)
Wenn warme, feuchte Raumluft auf kalte Oberflächen trifft, kondensiert die Feuchtigkeit. Typische Stellen:
- Fensterrahmen und Fensterscheiben
- Außenecken von Räumen
- Bereiche um Rollladenkästen
3. Schimmelbildung
Dauerhaft feuchte Stellen bieten ideale Bedingungen für Schimmel. Dunkle Flecken in Ecken oder an Außenwänden sind oft ein Zeichen für Wärmebrücken.
Wo treten Wärmebrücken auf?
Fenster und Türen
Problemstellen:
- Rahmenanschlüsse zur Wand
- Glasrandverbund
- Fensterbänke (innen und außen)
- Türschwellen
Ursachen:
- Unzureichende Dämmung im Anschlussbereich
- Alte Fenster mit schlechten U-Werten
- Mangelhafte Montage
Balkonanschlüsse
Balkone, die direkt an die Geschossdecke angeschlossen sind, leiten Wärme nach außen ab. Ohne thermische Trennung entstehen massive Wärmeverluste.
Rollladenkästen
Alte Rollladenkästen sind oft:
- Nicht oder schlecht gedämmt
- Undicht
- Direkte Verbindung nach außen
Heizkörpernischen
In älteren Gebäuden wurden Heizkörper oft in Wandnischen eingebaut. Diese Bereiche haben eine geringere Wandstärke und damit schlechtere Dämmwerte.
Außenecken
Geometrisch bedingt haben Außenecken eine größere Außenfläche im Verhältnis zum Innenvolumen. Hier entweicht mehr Wärme.
Metallteile im Mauerwerk
Stahlträger, Bewehrung oder Befestigungselemente können Wärme besonders gut leiten und wirken als Wärmebrücken.
Auswirkungen von Wärmebrücken
Energieverluste
Wärmebrücken können den Heizenergiebedarf um 10-20% erhöhen. Das bedeutet höhere Heizkosten.
Bauschäden
Dauerhaft feuchte Stellen führen zu:
- Schimmelbildung
- Putzabplatzungen
- Korrosion von Metallteilen
- Holzfäule bei Holzbauteilen
Gesundheitsrisiken
Schimmelpilze in Wohnräumen können:
- Allergien auslösen
- Atemwegserkrankungen verursachen
- Das Immunsystem belasten
Wohnkomfort
Kalte Oberflächen und Zugerscheinungen beeinträchtigen das Wohlbefinden erheblich.
Wärmebrücken beheben
1. Ursache identifizieren
Zunächst muss die genaue Ursache gefunden werden:
- Thermografie - Wärmebildkamera zeigt kalte Stellen
- Blower-Door-Test - findet undichte Stellen
- Visuelle Inspektion - offensichtliche Schwachstellen
2. Dämmung verbessern
Je nach Problemstelle:
- Außendämmung - effektivste Lösung für Wände
- Innendämmung - wenn Außendämmung nicht möglich
- Kerndämmung - bei zweischaligem Mauerwerk
- Fensteraustausch - moderne Fenster mit niedrigen U-Werten
3. Thermische Trennung
Bei konstruktiven Wärmebrücken:
- Balkonanschlüsse mit Isokörben entkoppeln
- Attiken und Brüstungen thermisch trennen
- Rollladenkästen dämmen oder austauschen
4. Abdichtung verbessern
Undichtigkeiten beheben durch:
- Professionelle Fensteranschlüsse
- Dichtungsbänder und -profile
- Fugenmassen und Dichtstoffe
Vorbeugung bei Neubauten
Wärmebrückenfreie Konstruktion
Moderne Neubauten werden wärmebrückenfrei geplant:
- Durchgängige Dämmebene
- Thermisch getrennte Bauteile
- Optimierte Anschlussdetails
Qualitätssicherung
- Wärmebrückenberechnung in der Planung
- Kontrolle während der Bauausführung
- Thermografie nach Fertigstellung
Häufig gestellte Fragen
01Was sind Wärmebrücken?
Wärmebrücken sind Stellen im Gebäude, an denen Wärme schneller nach außen abgeleitet wird als in angrenzenden Bereichen. Sie entstehen durch Materialunterschiede oder geometrische Gegebenheiten.
02Wie erkenne ich Wärmebrücken?
Typische Anzeichen sind kältere Oberflächen, Kondenswasser an Fenstern und Wänden sowie Schimmelbildung in Ecken und an Außenwänden.
03Wo treten Wärmebrücken häufig auf?
Häufige Problemstellen sind Fenster- und Türrahmen, Balkonanschlüsse, Rollladenkästen, Heizkörpernischen und Außenecken von Gebäuden.
04Wie kann man Wärmebrücken beheben?
Durch hochwertige Dämmung, thermische Trennung bei Bauteilen, Abdichtung und bei Neubauten durch wärmebrückenfreie Konstruktion.
Fußbodenheizung als Unterstützung
Eine Fußbodenheizung kann helfen, die Auswirkungen von Wärmebrücken zu minimieren:
- Gleichmäßige Erwärmung der Fußbodenfläche
- Reduzierung kalter Bodenbereiche
- Verbessertes Raumklima
Sie haben Probleme mit Kälte oder Feuchtigkeit?
Kontaktieren Sie uns für eine Beratung zur optimalen Lösung für Ihr Gebäude.
Über den Autor

Hannes Reich
Redakteur
Hannes Reich ist Redakteur bei Wir verlegen Estrich und schreibt über Themen rund um Estrich, Bodenbeläge und Bauplanung.


