
Bevor ein Bodenbelag auf den Estrich kommt, muss eines sicher sein: Der Estrich ist trocken genug. Eingeschlossene Restfeuchte führt zu schweren Schäden wie Schimmelbildung, Blasenwurf, Aufwölbungen oder sich lösendem Kleber. Die professionelle Feuchtemessung ist daher eine absolute Notwendigkeit.
Was ist Restfeuchte?
Restfeuchte bezeichnet die nach der Trocknungsphase noch im Estrich verbliebene Feuchtigkeit. Frischer Estrich enthält große Mengen Wasser, das im Laufe der Zeit verdunstet. Erst wenn die Restfeuchte unter einen definierten Grenzwert gesunken ist, gilt der Estrich als belegreif.
Die CM-Messung: Das Standardverfahren
Was bedeutet CM?
CM steht für Calciumcarbid-Methode. Bei diesem Verfahren reagiert Calciumcarbid mit der im Estrich enthaltenen Feuchtigkeit zu Acetylengas. Der entstehende Druck wird gemessen und zeigt den Feuchtigkeitsgehalt an.
Warum CM-Messung?
Die CM-Messung ist:
- Nach DIN 18560 das anerkannte Referenzverfahren
- Zuverlässig und reproduzierbar
- Verbindlich für die Freigabe zur Belagsverlegung
- Dokumentierbar für Gewährleistungsfälle
Ablauf der CM-Messung
Schritt 1: Probenentnahme
An repräsentativen Stellen werden Proben entnommen:
- Aus dem unteren Drittel des Estrichquerschnitts
- An mehreren Stellen im Raum
- Mindestens 3 Messstellen pro 200 m²
Schritt 2: Zerkleinerung
Das entnommene Material wird:
- Sofort in einen Beutel gegeben (Feuchtigkeitsverlust vermeiden)
- Mit einem Hammer zerkleinert
- Gewogen (definierte Probenmenge)
Schritt 3: Messung
Die Probe wird:
- In eine Druckflasche gegeben
- Mit einer Ampulle Calciumcarbid versetzt
- Geschüttelt, um die Reaktion zu starten
- Nach Reaktionszeit abgelesen
Schritt 4: Dokumentation
Das Ergebnis wird protokolliert:
- Datum und Uhrzeit
- Messstelle (genau bezeichnet)
- Estrichart und -dicke
- Gemessener CM-Wert
- Unterschrift des Messenden


Grenzwerte nach DIN 18560
Zementestrich (CT)
| Bedingung | Grenzwert |
|---|---|
| Ohne Fußbodenheizung | ≤ 2,0 CM-% |
| Mit Fußbodenheizung | ≤ 1,8 CM-% |
Calciumsulfatestrich (CA)
| Bedingung | Grenzwert |
|---|---|
| Ohne Fußbodenheizung | ≤ 0,5 CM-% |
| Mit Fußbodenheizung | ≤ 0,3 CM-% |
Besondere Anforderungen
Bei bestimmten Bodenbelägen gelten strengere Werte:
- Parkett: Oft niedrigere Werte gefordert
- Elastische Beläge: Herstellerangaben beachten
- Naturstein: Je nach Material unterschiedlich
Elektrische Feuchtemessung
Nur zur Orientierung
Elektrische Messgeräte können für eine erste Einschätzung verwendet werden:
- Schnell und zerstörungsfrei
- Für Vergleichsmessungen geeignet
- Zeigen Tendenzen an
Einschränkungen
Elektrische Messungen sind nicht verbindlich:
- Zeigen nur relative Werte
- Können durch Salze, Zusatzmittel, Temperatur verfälscht werden
- Ersetzen die CM-Messung nicht
Häufige Fehler bei der Feuchtemessung
1. Zu frühes Messen
Eine Messung macht erst Sinn, wenn die theoretische Trockenzeit weitgehend abgelaufen ist. Zu frühe Messungen verschwenden Zeit und Geld.
2. Falsche Probenentnahme
Die Probe muss aus dem unteren Drittel des Estrichs stammen. Die Oberfläche trocknet schneller und zeigt nicht die tatsächliche Restfeuchte.
3. Zu wenige Messstellen
Eine einzelne Messung reicht nicht aus. Verschiedene Bereiche können unterschiedlich schnell trocknen:
- Unter Fenstern
- An Außenwänden
- In Ecken
4. Unzureichende Lüftung vor der Messung
Vor der Messung sollte der Raum ausreichend gelüftet sein. Hohe Luftfeuchtigkeit kann die Trocknung verzögern.
5. Falsches Messgerät
Für die verbindliche Freigabe ist nur die CM-Messung zulässig. Andere Verfahren sind nicht anerkannt.
Wer führt die Messung durch?
Estrichleger
Viele Estrichleger führen die CM-Messung selbst durch und dokumentieren die Belegreife.
Bodenleger
Vor der Belagsverlegung sollte der Bodenleger eine eigene Messung durchführen und dokumentieren.
Unabhängige Sachverständige
Bei Streitigkeiten oder für besondere Sicherheit kann ein unabhängiger Sachverständiger hinzugezogen werden.
Kosten der Feuchtemessung
Die Kosten für eine CM-Messung sind überschaubar:
- Messgerät und Verbrauchsmaterial: ca. 50-100 € pro Messung
- Bei Beauftragung eines Dienstleisters: ca. 80-150 €
Im Vergleich zu den Kosten eines Feuchteschadens ist dies eine geringe Investition.
Dokumentation und Haftung
Warum dokumentieren?
Die schriftliche Dokumentation der Feuchtemessung ist wichtig für:
- Gewährleistungsansprüche bei späteren Schäden
- Nachweis der ordnungsgemäßen Ausführung
- Absicherung aller Beteiligten
Was dokumentieren?
- Datum, Uhrzeit, Ort
- Estrichart und -dicke
- Messergebnis in CM-%
- Name des Messenden
- Freigabe zur Belagsverlegung
Häufig gestellte Fragen
01Was ist die CM-Messung?
Die CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) ist das anerkannte Verfahren zur Bestimmung der Restfeuchte im Estrich nach DIN 18560. Sie misst den Feuchtigkeitsgehalt durch chemische Reaktion.
02Welche Grenzwerte gelten für die Estrichfeuchte?
Zementestrich: max. 2,0 CM-% (ohne FBH) bzw. 1,8 CM-% (mit FBH). Calciumsulfatestrich: max. 0,5 CM-% (ohne FBH) bzw. 0,3 CM-% (mit FBH).
03Wer darf die CM-Messung durchführen?
Die CM-Messung sollte von geschultem Personal durchgeführt werden. Estrichleger, Bodenleger oder unabhängige Sachverständige sind typische Ansprechpartner.
04Warum reicht ein elektrisches Messgerät nicht aus?
Elektrische Messgeräte zeigen nur relative Werte und können durch verschiedene Faktoren verfälscht werden. Für die verbindliche Freigabe ist die CM-Messung vorgeschrieben.
Fazit
Die Feuchtemessung im Estrich ist kein lästiger Zusatzaufwand, sondern eine unverzichtbare Qualitätssicherung. Nur mit der CM-Messung können Sie sicher sein, dass Ihr Bodenbelag keine Feuchteschäden erleiden wird.
Sie benötigen eine professionelle Feuchtemessung?
Kontaktieren Sie uns - wir beraten Sie gerne und führen die CM-Messung fachgerecht durch.
Über den Autor

Hannes Reich
Redakteur
Hannes Reich ist Redakteur bei Wir verlegen Estrich und schreibt über Themen rund um Estrich, Bodenbeläge und Bauplanung.



