
Die Wahl des richtigen Industriebodens ist eine Entscheidung von strategischer Bedeutung. Er muss nicht nur ästhetischen Ansprüchen genügen, sondern vor allem den spezifischen Belastungen des Betriebs dauerhaft standhalten. Zwei Namen dominieren dabei den Markt für hochwertige Kunstharzbeschichtungen: Epoxidharz (EP) und Polyurethan (PU). Beide bieten exzellente Eigenschaften, doch ihre Stärken und Schwächen unterscheiden sich signifikant.
Eine pauschale Aussage, welches Material "besser" ist, gibt es nicht – die optimale Wahl hängt immer von den individuellen Anforderungen Ihres Betriebs ab.
Was ist Epoxidharz (EP)?
Epoxidharze sind Reaktionsharze, die typischerweise aus zwei Komponenten (Harz und Härter) bestehen und durch chemische Reaktion aushärten. Sie bilden eine extrem harte, dichte und meist starre Oberfläche mit hoher Druck- und Biegezugfestigkeit.
Die Stärken von Epoxidharz:
- Enorme mechanische Belastbarkeit
- Ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber vielen Chemikalien
- Hohe Druck- und Biegezugfestigkeit
- Hervorragende Haftung auf Untergründen
Was ist Polyurethan (PU)?
Polyurethane sind ebenfalls Kunstharze, die als Ein- oder Zweikomponentensysteme vorkommen können. Im Vergleich zu Epoxidharz sind PU-Systeme oft elastischer und flexibler. Sie können von weich-elastisch bis hart eingestellt werden.
Die Stärken von Polyurethan:
- Hohe Elastizität und Flexibilität
- Hervorragende UV-Beständigkeit (bei aliphatischem PU)
- Ausgezeichnete Abriebfestigkeit
- Guter Gehkomfort und Trittschalldämmung

Der direkte Vergleich: EP vs. PU im Detail
Härte und Druckfestigkeit
Hier punktet in der Regel Epoxidharz. Seine hohe Härte und Druckfestigkeit machen es ideal für Bereiche mit extrem hohen statischen Lasten, wie Hochregallager, Produktionsbereiche mit schweren Maschinen oder Flächen, die von schweren Gabelstaplern befahren werden.
Polyurethan ist zwar ebenfalls widerstandsfähig, erreicht aber meist nicht die extreme Härte von EP.
Flexibilität und Elastizität
Der Vorteil liegt klar bei Polyurethan. Seine Elastizität ermöglicht es ihm:
- Stöße und Schläge besser zu absorbieren (höhere Schlagzähigkeit)
- Leichte Bewegungen oder Vibrationen im Untergrund aufzunehmen
- Risse zu überbrücken
Dies macht PU ideal für Parkhäuser, Bereiche mit Temperaturschwankungen oder Untergründe, die zur Rissbildung neigen. EP ist spröder und kann bei starken Schlägen oder Untergrundbewegungen eher reißen.
Abriebfestigkeit
Beide Materialien bieten eine gute Abriebfestigkeit. Hochwertige Polyurethane, insbesondere aliphatische Topcoats (Deckversiegelungen), gelten oft als etwas abriebfester als Standard-EP-Systeme und eignen sich hervorragend für Bereiche mit hohem Geh- oder Fahrverkehr.
Chemikalienbeständigkeit
Beide Systeme sind generell chemikalienbeständig, jedoch mit Unterschieden:
| Eigenschaft | Epoxidharz | Polyurethan |
|---|---|---|
| Starke Säuren | Sehr gut | Gut |
| Lösungsmittel | Sehr gut | Gut |
| Laugen | Gut | Sehr gut |
| Öle und Fette | Gut | Sehr gut |
| Organische Säuren | Gut | Sehr gut |
UV-Stabilität
Hier hat aliphatisches Polyurethan die Nase vorn. Es ist weitgehend UV-beständig und vergilbt auch bei direkter Sonneneinstrahlung kaum.
Aromatische Epoxidharze hingegen neigen unter UV-Einfluss zum Vergilben und können langfristig kreiden. Für Außenbereiche oder Bereiche mit viel Fensterlicht ist PU daher meist die bessere Wahl – oder es wird eine UV-stabile PU-Deckversiegelung auf dem EP-Aufbau eingesetzt.

Verarbeitung und Aushärtung
Beide Systeme erfordern eine sorgfältige Untergrundvorbereitung:
- Epoxidharz ist oft empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit im Untergrund während der Aushärtung
- Polyurethan kann teilweise bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden und härtet oft schneller aus
Temperaturbeständigkeit
Standard-EP und PU haben ähnliche Temperaturgrenzen (oft bis ca. 60-80°C Dauertemperatur). Für höhere Temperaturen oder Heißwasserbelastung gibt es spezielle Formulierungen.
Typische Einsatzbereiche im Überblick
Epoxidharz bevorzugt für:
- Hochregallager und Schwerlastbereiche
- Produktionshallen mit hohen statischen Lasten
- Chemische Industrie und Labore (hohe Chemikalienbeständigkeit nötig)
- Werkstätten und Garagen (gute Beständigkeit gegen Öle, Kraftstoffe)
- Als Grundierung und Ausgleichsschicht unter PU-Deckschichten
Polyurethan bevorzugt für:
- Parkhäuser und Tiefgaragen (Flexibilität, Rissüberbrückung, UV-Stabilität)
- Bereiche mit viel Publikumsverkehr (Abriebfestigkeit, Gehkomfort)
- Lebensmittelindustrie (Hygiene, Beständigkeit gegen organische Säuren)
- Kühlhäuser (Flexibilität bei tiefen Temperaturen)
- Flächen mit direkter Sonneneinstrahlung
- Als UV-stabile und abriebfeste Deckversiegelung auf EP-Systemen
Können beide kombiniert werden?
Ja, Hybridlösungen sind gängige Praxis. Oft wird die Robustheit und gute Haftung von Epoxidharz als Grundierung und Basisschicht genutzt, während eine Polyurethan-Deckversiegelung für verbesserte UV-Stabilität, höhere Abriebfestigkeit oder mehr Elastizität sorgt.
Diese Kombination nutzt die Stärken beider Materialien optimal aus.
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Häufig gestellte Fragen
01Welcher Industrieboden ist härter - Epoxidharz oder Polyurethan?
Epoxidharz ist in der Regel härter und druckfester als Polyurethan. Es eignet sich ideal für Bereiche mit extremen statischen Lasten wie Hochregallager oder schwere Maschinen.
02Welches Material ist UV-beständiger?
Aliphatisches Polyurethan ist deutlich UV-beständiger und vergilbt auch bei direkter Sonneneinstrahlung kaum. Epoxidharz neigt unter UV-Einfluss zum Vergilben.
03Können Epoxidharz und Polyurethan kombiniert werden?
Ja, Hybridlösungen sind gängige Praxis. Oft wird Epoxidharz als robuste Grundierung verwendet, während eine Polyurethan-Deckversiegelung für UV-Stabilität und Abriebfestigkeit sorgt.
04Welcher Boden ist besser für die Lebensmittelindustrie?
Polyurethan ist oft die bessere Wahl für die Lebensmittelindustrie, da es sehr gut gegen Laugen, Öle, Fette und organische Säuren beständig ist und hohe Hygienestandards erfüllt.
Fazit: Die Anforderung bestimmt das Material
Die Entscheidung zwischen Epoxidharz und Polyurethan ist keine Frage von "gut" oder "schlecht", sondern von "passend" oder "unpassend".
Analysieren Sie Ihre spezifischen Anforderungen:
- Welche mechanischen und chemischen Belastungen treten auf?
- Ist Flexibilität oder extreme Härte gefragt?
- Gibt es UV-Einstrahlung?
Erst auf Basis dieser Analyse kann die optimale Materialwahl getroffen werden. Eine fachkundige Beratung ist dabei unerlässlich, um eine langlebige und wirtschaftliche Bodenlösung zu gewährleisten.
Haben Sie Fragen zur Wahl des richtigen Industriebodens?
Unsere Experten beraten Sie gerne zur optimalen Lösung für Ihren Betrieb – ob Epoxidharz, Polyurethan oder eine Kombination aus beiden.
Über den Autor

Hannes Reich
Redakteur
Hannes Reich ist Redakteur bei Wir verlegen Estrich und schreibt über Themen rund um Estrich, Bodenbeläge und Bauplanung.



