
In älteren Gebäuden lauert oft eine unsichtbare Gefahr: Asbest. Das Material wurde bis in die 1990er Jahre wegen seiner hervorragenden Eigenschaften in vielen Bauprodukten verwendet - auch in Bodenbelägen. Heute wissen wir um die Gesundheitsgefahren. So erkennen Sie asbesthaltige Böden in Ihrem Gebäude.
Was ist Asbest?
Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral mit faseriger Struktur. Es wurde geschätzt wegen seiner:
- Feuerbeständigkeit - brennt nicht und schützt vor Hitze
- Dauerhaftigkeit - extrem langlebig und beständig
- Isolationseigenschaften - gute Wärme- und Schalldämmung
- Chemischer Beständigkeit - resistent gegen Säuren und Laugen
Warum ist Asbest gefährlich?
Die Gefahr liegt in den mikroskopisch kleinen Fasern. Werden diese eingeatmet, können sie:
- Tief in die Lunge eindringen
- Dort dauerhaft verbleiben
- Zu Asbestose (Vernarbung der Lunge) führen
- Lungenkrebs auslösen
- Mesotheliom (Krebs des Rippen- oder Bauchfells) verursachen
Wichtig: Diese Erkrankungen können auch Jahrzehnte nach der Exposition auftreten.

Welche Bodenbeläge können Asbest enthalten?
Vinyl-Asbest-Fliesen (Floor-Flex)
Die häufigste Form von Asbest in Fußböden. Diese Fliesen wurden massenhaft in den 1960er bis 1980er Jahren verlegt.
Erkennungsmerkmale:
- Typische Größe: 25x25 cm oder 30x30 cm
- Oft marmorierte Muster
- Sehr hart und spröde
Cushion-Vinyl und PVC-Beläge
Auch weiche Vinyl-Beläge können Asbest enthalten, besonders in der Trägerschicht.
Linoleum
Ältere Linoleum-Beläge und deren Trägerfilze können asbesthaltig sein.
Teppichunterlagen
Filze und Unterlagen unter Teppichböden enthielten häufig Asbest als Brandschutz.
Klebstoffe
Besonders kritisch: Schwarze Klebstoffe unter alten Bodenbelägen enthalten häufig Asbest.
Erkennungsmerkmale asbesthaltiger Böden
1. Baujahr des Gebäudes
Der wichtigste Hinweis ist das Alter:
- Vor 1930: Asbest noch selten verwendet
- 1930-1990: Höchste Wahrscheinlichkeit für Asbest
- Nach 1993: Asbest in Deutschland verboten
2. Typische Farben
Asbesthaltige Bodenbeläge zeigen oft charakteristische Farben:
- Grau und Grautöne
- Braun und Beige
- Dunkelrot
- Schwarz (besonders Klebstoffe)
3. Struktur und Beschaffenheit
- Faserige Strukturen bei Beschädigung sichtbar
- Sprödes Material bei älteren Fliesen
- Filzartige Unterlagen
4. Größe und Format
Typische Maße von Vinyl-Asbest-Fliesen:
- 25 x 25 cm (am häufigsten)
- 30 x 30 cm
- Stärke: 2-3 mm

Was tun bei Verdacht auf Asbest?
Schritt 1: Nicht anfassen
Wenn Sie Asbest vermuten, berühren Sie das Material nicht. Jede Beschädigung kann Fasern freisetzen.
Schritt 2: Zustand prüfen
Ist das Material:
- Intakt und unbeschädigt: Keine unmittelbare Gefahr
- Beschädigt oder brüchig: Sofort handeln
Schritt 3: Laboranalyse
Nur eine Laboruntersuchung kann Asbest sicher nachweisen. Lassen Sie Proben von einem Fachbetrieb entnehmen.
Schritt 4: Fachbetrieb beauftragen
Die Entfernung asbesthaltiger Materialien darf nur durch zertifizierte Fachbetriebe erfolgen.
Professionelle Asbestsanierung
Ablauf einer Sanierung
- Begutachtung - Umfang der Belastung feststellen
- Planung - Sanierungskonzept erstellen
- Abschottung - Betroffenen Bereich hermetisch abriegeln
- Entfernung - Unter Schutzmaßnahmen
- Entsorgung - Als Sondermüll
- Freimessung - Erfolg der Sanierung nachweisen
Schutzmaßnahmen
Während der Sanierung:
- Vollständige Abschottung des Arbeitsbereichs
- Unterdruck zur Vermeidung von Faserausbreitung
- Persönliche Schutzausrüstung für Arbeiter
- Spezielle Staubsauger mit HEPA-Filtern
Alternativen zur Entfernung
Einkapselung
Bei intaktem Material kann eine Versiegelung sinnvoll sein:
- Asbest wird überdeckt und eingeschlossen
- Günstiger als Entfernung
- Muss dokumentiert werden
- Regelmäßige Kontrolle erforderlich
Überdeckung
Ein neuer Bodenbelag kann über dem asbesthaltigen Material verlegt werden:
- Fasern bleiben eingeschlossen
- Aufbauhöhe beachten
- Dokumentation für zukünftige Besitzer
Kosten der Asbestsanierung
Die Kosten variieren stark je nach:
- Umfang der Belastung
- Art des Materials
- Zugänglichkeit
- Entsorgungswege
Als grobe Orientierung: 30-80 € pro Quadratmeter für die reine Entfernung, zuzüglich Entsorgungskosten.
Häufig gestellte Fragen
01Wie erkenne ich Asbest im Fußboden?
Achten Sie auf das Baujahr (1930-1990), typische Materialien wie Vinyl-Asbest-Fliesen, charakteristische Farben (grau, braun, dunkelrot) und faserige Strukturen. Im Zweifel: Laboranalyse.
02Welche Bodenbeläge können Asbest enthalten?
Häufig betroffen sind Vinyl-Fliesen (Floor-Flex), Cushion-Vinyl, Linoleum, Teppichunterlagen und schwarze Klebstoffe aus den 1960er bis 1980er Jahren.
03Ist Asbest im Fußboden gefährlich?
Intakter, unbeschädigter Asbest ist ungefährlich. Gefährlich wird es bei Beschädigung, wenn Fasern freigesetzt werden. Dann drohen schwere Lungenerkrankungen.
04Darf ich asbesthaltigen Boden selbst entfernen?
Nein, die Entfernung asbesthaltiger Materialien ist nur durch zertifizierte Fachbetriebe erlaubt. Unsachgemäße Entfernung ist gesundheitsgefährdend und strafbar.
Rechtliche Aspekte
- Asbest ist seit 1993 in Deutschland verboten
- Die Entfernung durch Laien ist illegal
- Arbeitgeber sind zu Schutzmaßnahmen verpflichtet
- Bei Immobilienverkauf besteht Informationspflicht
Sie vermuten Asbest in Ihrem Gebäude?
Kontaktieren Sie uns - wir beraten Sie zum weiteren Vorgehen und vermitteln zertifizierte Sanierungsfachbetriebe.
Über den Autor

Hannes Reich
Redakteur
Hannes Reich ist Redakteur bei Wir verlegen Estrich und schreibt über Themen rund um Estrich, Bodenbeläge und Bauplanung.


