Überblick
Was ist das Tackersystem?
Das Tackersystem ist eine bewährte Verlegemethode für wasserbasierte Fußbodenheizungen im Nassbausystem. Die Heizungsrohre werden mit speziellen Tacker-Heizrohrhaltern mittels eines Tackergeräts auf einer folienkaschierten Dämmschicht fixiert.
Aufbauhöhe
70-115 mm
Preis/m²
12-22 €
Max. Leistung
100 W/m²
Bauart
Nassestrich-System
Aufbau
Typischer Schichtaufbau
Schichtaufbau
ab 70 mmEstrich mit Tackerplatte
Der Klassiker im Neubau: Heizrohre werden mit Tackernadeln auf der Dämmplatte fixiert und anschließend mit Estrich vergossen. Ab 70 mm Aufbauhöhe – bewährt, robust und kosteneffizient.
Estrich: Lastverteilende Schicht (inkl. Estrich, ohne Belag)
Systemplatten/Dämmung: Trägerplatte für Heizrohre
Untergrund: Rohdecke oder Bestandsboden (variabel)
Hinweis zur Aufbauhöhe
Die angegebene Aufbauhöhe (ab 70 mm) ist inkl. Estrich, ohne Bodenbelag. Die Dämmschicht darunter ist variabel und richtet sich nach den baulichen Anforderungen.
Wichtig: Die Minimalwerte basieren auf modifiziertem Estrich mit 25 mm Rohrüberdeckung. Nach DIN-Norm (DIN 18560) beträgt die Mindestüberdeckung 45 mm – diese wird angewendet, wenn die baulichen Gegebenheiten es erfordern (z.B. im Neubau).
Technische Daten
Spezifikationen nach DIN EN 1264
| Eigenschaft | Wert | Norm |
|---|---|---|
Aufbauhöhe Gesamthöhe inkl. Estrich | ab 70 mm | DIN 18560 |
Rohrdurchmesser Verfügbare Abmessungen | 14, 16, 17, 20 mm | DIN 4726 |
Verlegeabstände Je nach Wärmebedarf | 100, 150, 200, 250, 300 mm | DIN EN 1264 |
Wärmeleistung Bei max. 55°C | 40-100 W/m² | DIN EN 1264-2 |
Max. Oberflächentemperatur Aufenthaltszone | max. 29°C (Aufenthaltszone) | DIN EN 1264-2 |
Aufbauhöhe
DIN 18560
Rohrdurchmesser
DIN 4726
Verlegeabstände
DIN EN 1264
Wärmeleistung
DIN EN 1264-2
Bewertung
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Kostengünstigstes Nassbausystem
- Geringer Verschnitt bei Rollware
- Freie Wahl der Verlegeabstände (nicht an Noppenraster gebunden)
- Bewährtes System seit Jahrzehnten
- Kombinierte Wärme- und Trittschalldämmung
Nachteile
- Zwei-Mann-Verlegung erforderlich
- Aufschwemmrisiko beim Estricheinbau
- Spezielles Tackergerät erforderlich
- Positionskorrektur hinterlässt Löcher in der Dämmfolie
Fachgerechte Verlegung
Randdämmstreifen umlaufend an allen Wänden – entkoppelt den Estrich vom Mauerwerk und ermöglicht die thermische Ausdehnung bei Heizestrich.
Einsatzbereiche
Eignung & Anwendung
Neubau
OptimalSanierung
GeeignetAltbau
BedingtNassraum
GeeignetObergeschoss
GeeignetHolzbalkendecke
BedingtGewerbe
OptimalKompatibilität
Kompatible Estricharten
Passende Estriche für Ihr Fußbodenheizungssystem
Zementestrich
Universell einsetzbar, robust und feuchtebeständig. Der Klassiker für Fußbodenheizung.
Calciumsulfatestrich
Optimal für FBH dank hoher Wärmeleitfähigkeit und geringer Aufbauhöhe.
Hersteller
Marktführer & Produktsysteme
Uponor
Tacker Nassbausystem
REHAU
RAUTHERM / RAUTAC
Viega
Fonterra Tacker
Kermi
x-net C12 Tackersystem
Buderus
Logafloor Tackersystem
TECE
TECEfloor
Untergrund & Randdämmung
PE-Folie (0,2 mm) als Trennschicht mit 10 cm Überlappung auslegen, Stöße verkleben. Randdämmstreifen (8-10 mm) umlaufend an allen Wänden, Stützen und Türzargen anbringen. Der Streifen muss über die spätere Estrichoberkante hinausragen.
Tackerplatten verlegen
Folienbeschichtete EPS-Dämmplatten (WLG 035, meist 30-50 mm) vollflächig verlegen. Platten dicht stoßen, alle Stöße mit Tackerklebeband abkleben – sonst läuft Estrichwasser in die Dämmung.
Heizkreisverteiler montieren
Verteiler wandnah montieren, Vorlauf und Rücklauf anschließen. Durchflussmesser für hydraulischen Abgleich einbauen, Heizkreise beschriften. Pro Heizkreis max. 120 m Rohrlänge.
Rohre verlegen & tackern
Heizrohre (16-20 mm) vom Verteiler in Schnecken- oder Mäanderform verlegen. Tackernadeln alle 30-50 cm, in Bögen alle 15 cm. Verlegeabstand: 10 cm Randzone/Bad, 15 cm Aufenthaltszone.
Druckprobe
System mit Wasser füllen, 6 bar Prüfdruck aufbauen, 24 h halten. Druckabfall max. 0,2 bar. Prüfprotokoll erstellen – ohne Protokoll keine Estrichfreigabe. System bleibt unter Druck.
Estrich einbringen
Zement- oder Fließestrich einbringen. Mindestüberdeckung 45 mm über Rohr (DIN 18560-2). Bei Fließestrich schwabbeln für Rohrumschließung.
Kosten
Was kostet das Tackersystem?
Preisfaktoren
Senkt den Preis
Erhöht den Preis
Material-Set
12–22 €/m²
Reine Materialkosten (ohne Montage)
Preise variieren je nach Hersteller und Menge. Unverbindliche Richtwerte.
Experten-Hinweise
Das sollten Sie wissen
Ab 70 mm Gesamthöhe
Tackerplatte (20 mm) plus Heizestrich (45 mm) – die klassische Kombination für den Neubau mit optimaler Wärmeverteilung.
Funktionsheizen beachten
Erst nach 21 Tagen (Zementestrich) bzw. 7 Tagen (Calciumsulfat) mit dem Aufheizen beginnen. Temperatur täglich um max. 5°C steigern.
Druckprüfung vor Estrich
Alle Heizkreise vor dem Estricheinbau mit mindestens 6 bar abdrücken. Das Protokoll gehört zur Dokumentation.
Dehnfugen nicht vergessen
Bei Flächen über 40 m² oder Seitenlängen über 8 m sind Bewegungsfugen Pflicht. Randdämmstreifen an allen aufgehenden Bauteilen.
Maximale Flexibilität
Das Tackersystem erlaubt freie Rohrführung ohne vorgegebenes Raster – ideal für komplexe Grundrisse und individuelle Heizkreisgestaltung.
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Das Tackersystem kostet als Material-Set ca. 12-22 €/m² (inkl. Dämmung, Rohre, Tackernadeln). Inkl. Montage und Estrich liegen die Gesamtkosten bei 45-65 €/m². Damit ist es das günstigste Nassbausystem.
Die Tackerplatte ist günstiger als die Noppenplatte (ca. 5-6 €/m² vs. 10-14 €/m²), hat weniger Verschnitt und 2 mm geringere Aufbauhöhe. Das Noppensystem ermöglicht dagegen Ein-Mann-Verlegung ohne Werkzeug. Für große Flächen und bei begrenztem Budget ist das Tackersystem vorteilhafter.
Nach DIN 18560-2: Zementestrich CT-F4 mind. 45 mm über Heizrohr, Calciumsulfat-Fließestrich CAF-F4 mind. 40 mm. Bei nachgewiesener Druck- und Biegezugfestigkeit ist eine Reduzierung auf 30 mm möglich.
Der Verlegeabstand richtet sich nach Wärmebedarf und Heizungstyp: Wärmepumpe max. 10 cm, Gasheizung 15-20 cm, Bäder immer max. 10 cm. In gut gedämmten Neubauten reichen oft 20-25 cm.
Ja, mit handwerklichem Geschick ist Eigenverlegung möglich. Sie benötigen: Tackergerät (Miete ca. 50 €/Tag), einen Helfer und sollten ca. 60-80 m²/Tag einplanen. Die Druckprüfung vor Estrich sollte ein Fachbetrieb durchführen.
Zementestrich (CT): ca. 1 Tag pro mm Dicke, bei 65 mm also 6-8 Wochen. Calciumsulfatestrich (CA): ca. 1 Tag pro mm bis 40 mm, darüber 2 Tage/mm – bei 65 mm ca. 3-4 Wochen. Das Funktionsheizen nach DIN EN 1264-4 beginnt frühestens nach 21 Tagen (CT) bzw. 7 Tagen (CA). Erst danach wird die Belegreife per CM-Messung geprüft (CT ≤ 2,0%, CA ≤ 0,5%).
Ja! Bei Sanierung im Bestand ist die Fußbodenheizung im Rahmen der BEG-Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude) mit 15-20% förderfähig, wenn das Heizsystem auf Wärmepumpe oder Brennwert optimiert wird. Antrag VOR Baubeginn stellen.
Alternativen
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