Überblick
Was ist Zementestrich?
Zementestrich (CT) ist mit ca. 85% Marktanteil der meistverlegte Estrich in Deutschland. Seine besondere Stärke liegt in der Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit: Anders als Calciumsulfatestrich behält er auch bei Nässe seine Festigkeit. Er eignet sich daher als einziger Standardestrich uneingeschränkt für Bäder mit Bodeneinlauf, Garagen, Keller und Außenbereiche. Die Druckfestigkeit (C25–C35) macht ihn extrem belastbar.
Bewertung
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Wasserunempfindlich (ideal für Bad & Keller)
- Frostbeständig (Balkone, Terrassen, Garagen)
- Hohe Druckfestigkeit für starke Belastung
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (Material)
- Überall verfügbar und genormt
- Durch Zusätze (Beschleuniger) steuerbar
Nachteile
- Längere Trocknungszeit (Standard ca. 4–6 Wochen)
- Neigt physikalisch bedingt zu Schwindrissen
- Dehnfugen im Türbereich und bei großen Flächen nötig
Qualität
Sorgfältige Verdichtung um die Heizrohre – für optimale Wärmeleitfähigkeit und minimale Rissbildung.
Technische Daten
Eigenschaften nach DIN 18560
| Eigenschaft | Wert | Norm |
|---|---|---|
Druckfestigkeit Standard im Wohnbau: C25 | C25 – C35 | DIN EN 13813 |
Biegezugfestigkeit Standard: F4 | F4 – F5 | DIN EN 13813 |
Rohdichte | 2.000 – 2.200 kg/m³ | DIN 18560-2 |
Nenndicke (Dämmung c≤5mm) Zzgl. Rohr bei FBH (F4, 2kN/m²) | ≥ 45 mm | DIN 18560-2 |
Nenndicke (Dämmung c>5mm) Standard bei Trittschalldämmung | ≥ 50 mm | DIN 18560-2 |
Rohrüberdeckung (FBH) Über Oberkante Heizrohr (F4) | ≥ 45 mm | DIN 18560-2 |
Wärmeleitfähigkeit | ca. 1,4 W/(m·K) | DIN 4108-4 |
Belegreife (ohne FBH) Bei Parkett empfohlen: ≤ 1,8 CM-% | ≤ 2,0 CM-% | DIN 18560-1 |
Belegreife (mit FBH) Für Parkett/Holzbeläge | ≤ 1,8 CM-% | DIN 18560-1 |
Trocknungszeit Ohne Beschleuniger, klimaabhängig | ca. 28 – 45 Tage | – |
Begehbar nach Nur leichte Belastung, keine Zugluft! | ca. 3 Tagen | – |
Max. Feldgröße Oder Seitenverhältnis max. 1:2 | max. 40 m² | DIN 18560-2 |
Druckfestigkeit
Standard im Wohnbau: C25
DIN EN 13813
Biegezugfestigkeit
Standard: F4
DIN EN 13813
Rohdichte
DIN 18560-2
Nenndicke (Dämmung c≤5mm)
Zzgl. Rohr bei FBH (F4, 2kN/m²)
DIN 18560-2
Nenndicke (Dämmung c>5mm)
Standard bei Trittschalldämmung
DIN 18560-2
Rohrüberdeckung (FBH)
Über Oberkante Heizrohr (F4)
DIN 18560-2
Wärmeleitfähigkeit
DIN 4108-4
Belegreife (ohne FBH)
Bei Parkett empfohlen: ≤ 1,8 CM-%
DIN 18560-1
Belegreife (mit FBH)
Für Parkett/Holzbeläge
DIN 18560-1
Trocknungszeit
Ohne Beschleuniger, klimaabhängig
Begehbar nach
Nur leichte Belastung, keine Zugluft!
Max. Feldgröße
Oder Seitenverhältnis max. 1:2
DIN 18560-2
Einsatzbereiche
Eignung & Anwendung
Innenbereich
GeeignetAußenbereich
GeeignetNassraum
GeeignetFußbodenheizung
GeeignetIndustrie
BedingtAusführungen
Verlegearten & Verarbeitung
Verlegearten · DIN 18560
Verbundestrich
Direkt auf Untergrund (max. 50mm)
Auf Trennschicht
Auf PE-Folie
Schwimmend
Auf Dämmschicht (F4: 40-45mm)
Heizestrich
45mm Rohrüberdeckung (Gesamt ~65mm)
Verarbeitungsform · DIN EN 13813
Konventionell
Erdfeuchte Konsistenz
Fließestrich (CTF)
Selbstnivellierend, pumpfähig
Verarbeitung
Präzises Abziehen mit Richtlatte – für perfekte Ebenheit nach DIN 18202.
Aufbau
Typischer Schichtaufbau
Schichtaufbau~190 mm
Schwimmender Heizestrich
Der häufigste Aufbau im Neubau: Estrich auf Dämmschicht, entkoppelt vom Untergrund – ideal für Fußbodenheizung und Schallschutz.
Estrich
Mind. 65 mm Gesamtdicke bei Heizestrich (DIN 18560-2)
Heizrohre
16 mm Fußbodenheizung im Nassverlegeverfahren
Systemplatte
Noppenplatte mit integrierter Trittschalldämmung
Wärmedämmung
EPS oder PUR nach GEG-Anforderungen
Experten-Hinweise
Was Profis wissen – und Bauherren wissen sollten
Funktionsheizen ≠ Estrichleger
Das Aufheizprotokoll liefert der Estrichleger – das Heizen selbst führt der Heizungsbauer oder Bauherr durch. Wichtig: Erst nach 21 Tagen Ruhezeit starten, sonst Rissbildung. Temperatur täglich max. 5°C steigern.
Die kritischen ersten 7 Tage
Fenster zu, keine Zugluft, kein Durchheizen! Zementestrich braucht Feuchtigkeit zum Abbinden. Zugluft trocknet die Oberfläche zu schnell → Schüsselung (Randaufwölbung). Häufigster Schadenfall überhaupt.
Fugen an Türzargen = Pflicht
Jede Türzarge braucht eine Bewegungsfuge im Estrich. Fehlt sie, reißt der Estrich unkontrolliert – oft erst nach Monaten unter dem Belag. Maximal 40 m² pro Feld, Seitenverhältnis max. 1:2.
CM-Messung vor Belag
Nie auf "sieht trocken aus" vertrauen. Nur die CM-Messung zeigt die echte Restfeuchte. Grenzwert: ≤ 2,0 CM-% (ohne FBH), ≤ 1,8 CM-% (mit FBH). Parkett auf feuchtem Estrich = Totalschaden.
Vorbereitung & Randdämmung
Bevor der erste Eimer Mörtel fließt, prüfen wir den Unterbau. Das Wichtigste: Der Randdämmstreifen (mind. 8mm) muss penibel an allen Wänden und Stützen stehen. Er verhindert Schallbrücken und gibt dem Estrich Raum zum "Atmen" (thermische Ausdehnung).
Mischen & Pumpen
Wir mischen den Zementestrich (Körnung 0/8) direkt vor Ort maschinell an – "erdfeucht" für optimale Festigkeit. Über Schläuche pumpen wir das Material sauber direkt in das Stockwerk. Kein Schmutz im Treppenhaus, keine Eimerschlepperei.
Nivellieren & Verdichten
Das Herzstück der Arbeit: Wir ziehen den Estrich per Laser oder Meterriss exakt auf Höhe ab. Entscheidend ist hier die mechanische Verdichtung. Nur gut verdichteter Estrich erreicht später die Druckfestigkeit C25 oder C35.
Maschinelles Glätten
Mit dem Tellerglätter wird die Oberfläche veredelt und geschlossen. So entsteht die typische, robuste Estrich-Oberfläche, die später jeden Belag trägt.
Der Fugenplan (Anti-Riss-Strategie)
Da Zement beim Trocknen schwindet (sich zusammenzieht), braucht er kontrollierte Sollbruchstellen. Wir schneiden Scheinfugen (Kellenschnitte) an Türdurchgängen und in großen Feldern, damit der Boden nicht wild reißt.
Ruhephase & Funktionsheizen
Jetzt heißt es: Fenster zu! Zementestrich muss 7-10 Tage vor Zugluft geschützt werden, sonst wölbt er sich (Schüsselung). Bei Fußbodenheizung folgt nach ca. 21 Tagen das Funktionsheizen nach DIN EN 1264 – wir erstellen das Aufheizprotokoll.
CM-Messung & Freigabe
Bevor der Bodenleger kommt, messen wir die Restfeuchte per CM-Gerät (Calciumcarbid-Methode). Erst bei ≤ 2,0 CM-% (ohne FBH) bzw. ≤ 1,8 CM-% (mit FBH) geben wir den Estrich frei. Das Protokoll erhalten Sie schriftlich – Ihre Sicherheit für die Gewährleistung.
Kosten
Was kostet Zementestrich?
Preisfaktoren
Senkt den Preis
Erhöht den Preis
Preisspanne
28–58 €/m²
Material + fachgerechte Verlegung nach DIN 18560
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Die Norm geht von mind. 28 Tagen aus. Die Realität hängt stark von Temperatur und Lüftung ab. Faustformel: 1 Woche pro cm Dicke (bis 4cm), danach quadriert sich die Zeit. Ein 7cm Heizestrich kann im Winter 6-8 Wochen brauchen. Wichtig bei FBH: Das Funktionsheizen (ca. 21 Tage) dient dem Spannungsabbau, nicht zwingend der finalen Trocknung. Planen Sie Puffer ein!
Zement (CT) ist der "All-Terrain"-Estrich: Muss in Garage, Außenbereich oder Nassraum (mit Bodenablauf) verlegt werden. Anhydrit (CAF) darf keiner dauerhaften Feuchte ausgesetzt sein, hat aber Vorteile bei der Wärmeleitfähigkeit und fugenlosen Verlegung großer Flächen im trockenen Wohnbereich.
Zement schwindet (zieht sich zusammen) beim Erhärten. Ohne geplante "Sollbruchstellen" (Scheinfugen/Kellenschnitte) reißt er wild. Wir erstellen einen Fugenplan. Diese Scheinfugen werden vor der Bodenbelagsverlegung oft kraftschlüssig verharzt (verdübelt), damit der Oberbelag durchgängig verlegt werden kann.
Ja. Mit speziellen Beschleunigern oder Schnellzementen. Damit garantieren wir Belegreife nach 2, 4, 7 oder 14 Tagen. Das kostet mehr Materialaufschlag, spart aber oft einen Monat Bauzeit und Mieteinnahmen. Bautrockner helfen zusätzlich, dürfen aber erst nach der hydratationsbedingten Ruhezeit (ca. 7-10 Tage) eingesetzt werden.
Wir übergeben den Estrich "besenrein" und geglättet (DIN 18353). Der sogenannte "Reinigungsschliff" (Entfernen der Sinterschicht) ist technisch gesehen Vorleistung des Bodenlegers (DIN 18365). Wir bieten diesen Service jedoch gerne optional mit an, um Schnittstellenprobleme zu vermeiden.
Für Wohnräume mit Fußbodenheizung (Bauart A) gilt meist: Dämmung + 45mm Estrich über Rohr. Bei 16mm Rohr sind das mind. 61mm ab Oberkante Dämmung. Wir empfehlen oft 65-70mm Gesamthöhe für Reserven. Dünnere Aufbauten sind mit Spezialestrichen möglich.
Systemlösungen
Die passende Ausführung
Schnellere Belegreife · Selbstnivellierend · Minimale Aufbauhöhe
Zeitkritisch
Schnellestrich
Keine 4 Wochen Trocknungszeit? Schnellbinder reduzieren die Belegreife auf 1 bis 7 Tage – ohne Kompromisse bei der Qualität.
Selbstnivellierend
Fließestrich
Fließestrich wird gepumpt und nivelliert sich selbst. Verfügbar als Zement (CTF) oder Calciumsulfat (CAF) – perfekt für große Flächen mit optimaler Heizrohr-Umschließung.
