Überblick
Was ist Kunstharzestrich?
Kunstharzestrich erreicht mit bis zu 100 N/mm² eine sehr hohe Druckfestigkeit und ist extrem chemikalienbeständig. Seine Mindestschichtdicke ab 10 mm im Verbund spart wertvollen Aufbau bei Sanierungen. In Reinräumen, Laboren und der Lebensmittelproduktion ist er wegen seiner hygienischen, leicht zu reinigenden Oberfläche weit verbreitet. Wichtig: Bauwerksfugen müssen übernommen werden.


Bewertung
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Höchste chemische Beständigkeit (Säuren, Laugen, Öle)
- Schnell belastbar (1–3 Tage, PMMA 2h)
- Extrem dünnschichtig (ab 10 mm)
- Wasserdicht (WHG-konform möglich)
- Antistatische Ausführung möglich (ESD)
- Hygienisch (Hohlkehlen möglich, leicht zu reinigen)
- Rutschhemmung R9-R13 einstellbar
Nachteile
- Höchster Preis aller Estricharten
- Aufwendige Untergrundvorbereitung (Kugelstrahlen)
- Geruchsbelastung beim Einbau (Lüften!)
- Spezial-Know-how erforderlich
- Begrenzte Topfzeit bei Verarbeitung (15-45 Min.)
- Bauwerksfugen müssen übernommen werden
Technische Daten
Eigenschaften nach DIN 18560
| Eigenschaft | Wert | Norm |
|---|---|---|
Druckfestigkeit Je nach Harzsystem | 60 – 100 N/mm² | DIN EN 13813 |
Biegezugfestigkeit | 25 – 50 N/mm² | DIN EN 13813 |
Rohdichte | 1.600 – 2.000 kg/m³ | DIN 18560-5 |
Schichtdicke Deutlich dünner als CT/CA | 10 – 30 mm | DIN 18560-5 |
Wärmeleitfähigkeit Wärmedämmend (Isolator) | 0,2 – 0,3 W/(m·K) | DIN 4108-4 |
Belastbar nach PMMA: 2-4 Stunden | 1 – 3 Tage | – |
Chemische Beständigkeit Säuren, Laugen, Öle, Lösemittel | Sehr hoch | – |
Harzsysteme Epoxid, Polyurethan, Acryl | EP, PUR, PMMA | – |
Rutschhemmung Je nach Einstreuung | R9 – R13 | DIN 51130 |
Druckfestigkeit
Je nach Harzsystem
DIN EN 13813
Biegezugfestigkeit
DIN EN 13813
Rohdichte
DIN 18560-5
Schichtdicke
Deutlich dünner als CT/CA
DIN 18560-5
Wärmeleitfähigkeit
Wärmedämmend (Isolator)
DIN 4108-4
Belastbar nach
PMMA: 2-4 Stunden
Chemische Beständigkeit
Säuren, Laugen, Öle, Lösemittel
Harzsysteme
Epoxid, Polyurethan, Acryl
Rutschhemmung
Je nach Einstreuung
DIN 51130
Einsatzbereiche
Eignung & Anwendung
Innenbereich
GeeignetAußenbereich
GeeignetNassraum
GeeignetFußbodenheizung
GeeignetIndustrie
GeeignetAusführungen
Verlegearten & Verarbeitung
Verlegearten · DIN 18560
Verbundestrich
Direkt auf Untergrund (max. 50mm)
Auf Trennschicht
Auf PE-Folie
Schwimmend
Auf Dämmschicht (F4: 40-45mm)
Heizestrich
45mm Rohrüberdeckung (Gesamt ~65mm)
Verarbeitungsform · DIN EN 13813
Konventionell
Erdfeuchte Konsistenz
Fließestrich
Selbstnivellierend, pumpfähig
Aufbau
Typischer Schichtaufbau
Schichtaufbau~20–35 mm
Kunstharzestrich im Verbund
Vollwertiger Estrich aus Reaktionsharz nach DIN 18560-5 – mindestens 15 mm. Nicht zu verwechseln mit dünnen Beschichtungen (3–6 mm)!
Harzestrich
Mind. 15 mm nach DIN 18560-5 – EP, PU oder MMA
Deckschicht
Optionale Versiegelung für Chemie- und Abriebschutz
Grundierung
Haftvermittler, ggf. mit Quarzsand abgestreut
Experten-Hinweise
Kunstharz verzeiht keine Fehler – das muss sitzen
Untergrund ist alles
Kunstharz haftet nur auf vorbereiteten Flächen. Kugelstrahlen oder Fräsen ist Pflicht – einfaches Schleifen reicht nicht. Alte Beschichtungen, Öl, Trennmittel? Totale Enthaftung. Keine Kompromisse.
Taupunkt beachten
Ist die Untergrundtemperatur unter dem Taupunkt, kondensiert Feuchtigkeit – unsichtbar. Das Harz bindet nicht richtig, Blasen entstehen. Immer messen! Mindestens 3°C über Taupunkt.
Topfzeit = Stress
Nach dem Anmischen tickt die Uhr: 15–45 Minuten je nach System. Danach wird die Masse zäh und unbrauchbar. Große Flächen brauchen mehrere Teams parallel. Keine Improvisation möglich.
UV macht Epoxid gelb
Standard-Epoxidharz vergilbt unter UV-Licht. In Hallen mit Oberlichtern oder Außenbereichen: PUR-Systeme oder UV-stabile Versiegelung verwenden. Sonst nach 2 Jahren unschön.
Rutschhemmung einstellen
Die Rutschsicherheit (R9–R13) wird über Quarzsand-Einstreuung eingestellt. R9 für Büros, R11-R12 für Nassräume, R13 für Ölbereiche. Die Körnung beeinflusst auch die Reinigbarkeit.
Untergrundvorbereitung
Der entscheidende Schritt: Per Kugelstrahlen oder Diamantfräsen wird die Oberfläche aufgeraut und von Zementschlämme befreit. Die Haftzugfestigkeit muss mindestens 1,5 N/mm² betragen (DIN EN 1542).
Klimakontrolle & Grundierung
Untergrundtemperatur min. 10°C, mindestens 3°C über Taupunkt, max. 75% rel. Luftfeuchte. Die 2K-Grundierung wird „frisch in frisch" mit dem Estrich verbunden – kein Antrocknen lassen!
Mischen des Kunstharzmörtels
Harz und Härter werden exakt nach Herstellervorgabe gemischt, dann mit Quarzsand gefüllt (ca. 1:8 bis 1:12). Der fertige Mörtel ist erdfeucht – wie nasser Sand, nicht flüssig! Topfzeit: 15–45 min.
Einbau & Abziehen
Der erdfeuchte Kunstharzmörtel wird auf die noch nasse Grundierung aufgebracht („frisch in frisch"). Mit Abziehlatten (Alu-Lehren) wird er auf die exakte Höhe gebracht. Der Mörtel verläuft NICHT selbstständig.
Verdichten & Glätten
Mit dem elektrischen Flügelglätter (Tellerglätter) wird der Estrich mechanisch verdichtet und die Oberfläche geschlossen. So entsteht die extrem dichte, porenfreie Struktur mit bis zu 100 N/mm² Druckfestigkeit.
Aushärtung & Freigabe
Die Aushärtung erfolgt durch chemische Reaktion – nicht durch Trocknung! EP/PUR: 1–3 Tage bis voll belastbar. PMMA: bereits nach 2–4 Stunden. Bauwerksfugen müssen zwingend übernommen werden.
Kosten
Was kostet Kunstharzestrich?
Preisfaktoren
Senkt den Preis
Erhöht den Preis
Preisspanne
85–250 €/m²
Material + fachgerechte Verlegung nach DIN 18560

FAQ
Häufig gestellte Fragen
Kunstharzestrich ist sinnvoll bei: Chemischer Belastung (Labor, Produktion, Galvanik), hohen Hygieneanforderungen (Pharma, Lebensmittel), antistatischen Anforderungen (Elektronik, Reinräume), WHG-Anforderungen (Auffangwannen), geringer Aufbauhöhe (Sanierung), oder wenn schnelle Belastbarkeit entscheidend ist.
Epoxidharz (EP): Höchste Chemie- und Abriebbeständigkeit, starr, vergilbt bei UV. Polyurethan (PUR): Elastischer, rissüberbrückend, UV-stabiler. PMMA (Acryl): Schnellste Aushärtung (2–4h, auch bei -20°C bis +35°C), ideal für Sanierung im laufenden Betrieb.
Die Kosten liegen zwischen 85 und 150 €/m² je nach Harzsystem und Anforderung. EP-Standard ab 85 €, PUR ab 95 €, PMMA ab 100 €, ESD-Ausführung ab 120 €/m². Die Investition lohnt sich durch Langlebigkeit (15-25 Jahre) und reduzierte Folgekosten (keine Fugenreparaturen).
Typischer Aufbau: 1. Untergrundvorbereitung (Kugelstrahlen, Fräsen), 2. Grundierung (Haftbrücke), 3. Estrichmörtel (Harz + Quarzsand), 4. Optional: Versiegelung oder Hohlkehlen. Die Schichtdicke beträgt 10–30 mm – deutlich weniger als mineralische Estriche. Wichtig: Bauwerksfugen müssen übernommen werden!
Ja, Kunstharzestrich ist mit Fußbodenheizung kombinierbar. Besonders PUR-Systeme sind durch ihre Elastizität gut geeignet. Wichtig: Kunstharz ist ein Wärmeisolator (λ ≈ 0,2–0,3 W/m·K), daher reagiert das System träger als bei mineralischen Estrichen. Dafür profitiert man von der geringen Schichtdicke. Aufheizprotokoll nach Herstellerangaben beachten.

