Überblick
Was ist Gussasphaltestrich?
Gussasphaltestrich (AS) ist der einzige Estrich, der kein Wasser für den Einbau benötigt. Er wird heiß verlegt und ist nach dem Abkühlen (ca. 4–6 Stunden) sofort voll belastbar. Da er schwundfrei erhärtet, können große Flächen fugenlos hergestellt werden. Besonders im Altbau punktet er durch geringe Einbauhöhen und im Industriebau durch extreme Widerstandsfähigkeit.
Bewertung
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Sofortige Belegreife nach Abkühlung (keine Trocknungszeit)
- Geringe Einbauhöhen (ab 20–25 mm möglich)
- Absolut wasserdicht & diffusionsdicht (Radon-Schutz)
- Fugenlos verlegbar (außer Bauwerksfugen)
- Bakterienfeindlich & geruchsneutral (nach Einbau)
- Hohe innere Dämpfung (guter Trittschallschutz)
Nachteile
- Höchster Preis aller Estricharten
- Hohe Einbautemperatur (Hitzerisiko für Einbauten)
- Geruchsbelästigung während der Verlegung
- Thermoplastisch (Verformung bei hoher Hitze)
- Aufwendige Baustelleneinrichtung (Kocher)
Technische Daten
Eigenschaften nach DIN 18560
| Eigenschaft | Wert | Norm |
|---|---|---|
Härteklasse (Wichtig!) IC 10 = HART (Industrie), IC 100 = WEICH | IC 10 / IC 15 / IC 40 | DIN EN 13813 |
Rohdichte | 2.300 – 2.500 kg/m³ | DIN 18560-6 |
Schichtdicke Dünnschichtig möglich | 20 – 35 mm | DIN 18560-6 |
Einbautemperatur Verarbeitungstemperatur | 200 – 230°C | – |
Belegreif Nach Erreichen der Raumtemperatur | Sofort | – |
Wärmeleitfähigkeit | 0,7 W/(m·K) | DIN 4108-4 |
Brandklasse Schwer entflammbar (trotz Bitumen) | Bfl-s1 | – |
Härteklasse (Wichtig!)
IC 10 = HART (Industrie), IC 100 = WEICH
DIN EN 13813
Rohdichte
DIN 18560-6
Schichtdicke
Dünnschichtig möglich
DIN 18560-6
Einbautemperatur
Verarbeitungstemperatur
Belegreif
Nach Erreichen der Raumtemperatur
Wärmeleitfähigkeit
DIN 4108-4
Brandklasse
Schwer entflammbar (trotz Bitumen)
Einsatzbereiche
Eignung & Anwendung
Innenbereich
GeeignetAußenbereich
GeeignetNassraum
GeeignetFußbodenheizung
GeeignetIndustrie
GeeignetAusführungen
Verlegearten & Verarbeitung
Verlegearten · DIN 18560
Verbundestrich
Direkt auf Untergrund (max. 50mm)
Auf Trennschicht
Auf PE-Folie
Schwimmend
Auf Dämmschicht (F4: 40-45mm)
Heizestrich
45mm Rohrüberdeckung (Gesamt ~65mm)
Verarbeitungsform · DIN EN 13813
Konventionell
Erdfeuchte Konsistenz
Fließestrich
Selbstnivellierend, pumpfähig
Aufbau
Typischer Schichtaufbau
Schichtaufbau~55–95 mm
Heißeinbau auf Dämmung
Heiß eingebaut bei ca. 230°C – sofort belastbar nach Abkühlung. Nur Mineralwolle als Dämmung wegen Hitzebeständigkeit!
Gussasphalt
20–40 mm je nach Härteklasse (IC 10–IC 100)
Trennlage
Bitumenpapier oder Glasvlies – schützt Dämmung vor Hitze
Mineralwolle
Zwingend MW – EPS schmilzt bei 230°C Einbautemperatur!
Experten-Hinweise
Besonderheiten beim Umgang mit Gussasphalt
Achtung bei Punktlasten
Gussasphalt ist thermoplastisch. Bei dauerhaften, schweren Punktlasten (schwere Regale mit dünnen Füßen) kann er nachgeben. Lastverteilungsplatten oder IC 10 Härteklasse sind Pflicht.
Mindermengenzuschlag
Da der Asphalt heiß im Spezial-LKW (Kocher) kommt, lohnen sich kleine Mengen (< 50 m²) oft nicht. Es fallen hohe Mindermengenzuschläge an. Wirtschaftlich meist erst ab 100 m².
Empfindliche Einbauten
Beim Einbau herrschen 230°C. Kunststoffrohre, Elektrokabel oder Dämmungen müssen zwingend hitzebeständig abgedeckt werden (z.B. mit Rippenpappe oder Rohglasvlies), sonst schmelzen sie.
Nicht eben schleifbar
Gussasphalt kann nicht wie Zementestrich "eben geschliffen" werden, da das Bitumen schmiert. Die Ebenheit muss beim Einbau perfekt sein. Unebenheiten können später nur gespachtelt werden.
Vorbereitung & Trennlage
Die Dämmung wird verlegt und zwingend mit hitzebeständigem Rohglasvlies oder Rippenpappe abgedeckt, um sie vor der Hitze des Asphalts zu schützen.
Anlieferung im Kocher
Spezialfahrzeuge mit Rührwerken (Kocher) bringen das Material mit ca. 220–230°C zur Baustelle. Der Transport muss zügig gehen, damit das Material nicht abkühlt.
Manueller Einbau (Streichen)
Gussasphalt wird nicht gepumpt, sondern meist in Eimern oder Schubkarren transportiert und manuell ausgegossen. Mit Holzreibebrettern wird er "gestrichen" (verrieben).
Absanden (Wichtig!)
Die noch heiße Oberfläche wird sofort mit feinem Quarzsand abgestreut und eingerieben. Das macht die Oberfläche griffig für spätere Kleber oder Spachtelmassen.
Abkühlung
Innerhalb weniger Stunden kühlt die Fläche ab. Sobald sie Raumtemperatur erreicht hat, ist der Boden fertig. Keine 28 Tage Wartezeit wie bei Zement!
Kosten
Was kostet Gussasphaltestrich?
Preisfaktoren
Senkt den Preis
Erhöht den Preis
Preisspanne
45–90 €/m²
Material + fachgerechte Verlegung nach DIN 18560
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Die Kosten entstehen durch teure Rohstoffe (Bitumen), energieintensiven Transport (beheizte Thermo-LKWs) und aufwendige Maschinentechnik (Kocher). Dafür entfallen Kosten für Bauzeitverzögerungen, Bautrockner und zusätzliche Abdichtungen.
Ja, und er leitet die Wärme sehr gut. Wichtig: Die Vorlauftemperatur sollte auf max. 45°C begrenzt werden und es muss eine härtere Klasse (IC 10 oder IC 15) gewählt werden, damit der Boden im Betrieb nicht weich wird.
IC steht für Indentation Class (Eindringtiefe). Achtung: Je kleiner die Zahl, desto härter! IC 10 (Eindringtiefe ≤ 1 mm) ist sehr hart und für Schwerlast geeignet. IC 100 ist weich und elastisch. Für Wohnräume wird meist IC 10 oder 15 verwendet, um Abdrücke von Tischbeinen zu vermeiden.
Sofort nach dem Abkühlen. Wenn der Estrich morgens eingebaut wird, können Sie oft schon am nächsten Morgen Fliesen oder Parkett legen. Das spart Wochen an Bauzeit.
Nein. Nach dem Abkühlen ist Gussasphalt völlig geruchsneutral. Zudem verwenden wir heute Bitumen, keinen gesundheitsschädlichen Teer (Teer ist seit Jahrzehnten verboten).
