Überblick
Was ist Calciumsulfatestrich?
Calciumsulfatestrich – oft als Anhydritestrich oder Fließestrich bezeichnet – ist der moderne Standard im Wohnungsbau. Durch seine flüssige Konsistenz umschließt er Heizrohre vollflächig, was die Heizleistung im Vergleich zu Zementestrich spürbar verbessert. Er härtet extrem spannungsarm aus, wodurch große fugenlose Flächen bis zu 1.000 m² (bei quadratischer Geometrie) möglich sind. Ideal für Bauherren unter Zeitdruck: Bereits nach 7 Tagen kann oft mit dem Funktionsheizen begonnen werden.
Bewertung
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Schnellere Bauphase durch frühes Aufheizen
- Fugenlose Verlegung großer Flächen (Optik!)
- Perfekte Rohrumschließung für effiziente FBH
- Geringere Aufbauhöhe (ab 35mm Rohrüberdeckung bei F5)
- Kein "Schüsseln" (Aufwölben) der Ränder
- Hohe Ebenheit durch Selbstnivellierung
Nachteile
- Empfindlich gegen dauerhafte Feuchtigkeit
- Nicht für Außenbereiche geeignet
- Materialpreis höher als bei Zementestrich
- Anschleifen der Sinterschicht zwingend nötig
Schwabbeln
Das Durchstoßen ("Schwabbeln") verteilt den Estrich gleichmäßig und entfernt Lufteinschlüsse – für 100% Rohrumschließung bei Fußbodenheizung.
Technische Daten
Eigenschaften nach DIN 18560
| Eigenschaft | Wert | Norm |
|---|---|---|
Druckfestigkeit | C20 – C35 | DIN EN 13813 |
Biegezugfestigkeit Maßgeblich für Tragfähigkeit | F4 – F7 | DIN EN 13813 |
Rohdichte | ca. 2.000 – 2.200 kg/m³ | DIN 18560-2 |
Mindestdicke schwimmend Nenndicke ohne FBH | ≥ 35 mm | DIN 18560-2 |
Rohrüberdeckung FBH Je nach Festigkeitsklasse (F4/F5) | 35 – 45 mm | DIN 18560-2 |
Wärmeleitfähigkeit Je nach Produkt – oft gleichwertig oder besser als Zementestrich (1,4) | 1,1 – 1,8 W/(m·K) | DIN 4108-4 |
Belegreife (ohne FBH) | ≤ 0,5 CM-% | DIN 18560-1 |
Belegreife (mit FBH) Strenger Grenzwert! | ≤ 0,3 CM-% | DIN 18560-1 |
Trocknungszeit Abhängig von Klima & Lüften | ca. 3–6 Wochen | – |
Druckfestigkeit
DIN EN 13813
Biegezugfestigkeit
Maßgeblich für Tragfähigkeit
DIN EN 13813
Rohdichte
DIN 18560-2
Mindestdicke schwimmend
Nenndicke ohne FBH
DIN 18560-2
Rohrüberdeckung FBH
Je nach Festigkeitsklasse (F4/F5)
DIN 18560-2
Wärmeleitfähigkeit
Je nach Produkt – oft gleichwertig oder besser als Zementestrich (1,4)
DIN 4108-4
Belegreife (ohne FBH)
DIN 18560-1
Belegreife (mit FBH)
Strenger Grenzwert!
DIN 18560-1
Trocknungszeit
Abhängig von Klima & Lüften
Einsatzbereiche
Eignung & Anwendung
Innenbereich
GeeignetAußenbereich
Nicht geeignetNassraum
BedingtFußbodenheizung
OptimalIndustrie
BedingtAusführungen
Verlegearten & Verarbeitung
Verlegearten · DIN 18560
Verbundestrich
Direkt auf Untergrund (max. 50mm)
Auf Trennschicht
Auf PE-Folie
Schwimmend
Auf Dämmschicht (F4: 40-45mm)
Heizestrich
45mm Rohrüberdeckung (Gesamt ~65mm)
Verarbeitungsform · DIN EN 13813
Konventionell
Erdfeuchte Konsistenz
Fließestrich (CAF)
Selbstnivellierend, pumpfähig
Präzision
Höhenpunkte (Meterriss) und penibel verlegter Randdämmstreifen – Grundlage für perfekte Ebenheit.
Aufbau
Typischer Schichtaufbau
Schichtaufbau~180 mm
Schwimmender Heizestrich
Fließestrich auf Dämmschicht – besonders eben und ideal für großflächige Fußbodenheizung. Feuchteempfindlich: Abdichtung bei erdberührenden Bauteilen zwingend!
Fließestrich
Mind. 55 mm Gesamtdicke bei Heizestrich (DIN 18560-2)
Heizrohre
16 mm FBH – optimale Wärmeleitung durch CA
Systemplatte
Noppenplatte mit integrierter Trittschalldämmung
Wärmedämmung
EPS oder PUR nach GEG-Anforderungen
Abdichtung
Zwingend bei erdberührt – CA ist feuchteempfindlich!
Experten-Hinweise
Vermeiden Sie diese 4 Fehler bei Anhydritestrich
Fenster auf – zur richtigen Zeit!
Die ersten 48 Stunden: Fenster ZU (Zugluft vermeiden). Ab Tag 3: Fenster AUF (Stoßlüften). Wer Anhydrit wie Zement behandelt (lange feucht halten), riskiert, dass er nicht trocknet oder fault.
CM-Messung ist Pflicht
Verlassen Sie sich nie auf Zeitangaben. Nur die CM-Messung zählt. Grenzwerte: 0,5 CM-% (unbeheizt) und extrem trockene 0,3 CM-% (beheizt). Wer früher legt, riskiert Totalschaden am Parkett.
Sinterschicht ignorieren
Die helle Schicht oben auf dem Estrich muss weg. Wenn der Fliesenleger direkt darauf klebt, löst sich der Kleber samt Haut vom Estrich. Ein Reinigungsschliff ist technische Notwendigkeit.
Verwechslung mit Zement
Verwenden Sie keine zementbasierten Kleber ohne entsprechende Grundierung auf Calciumsulfat. Gips und Zement vertragen sich bei Feuchtigkeit chemisch nicht (Ettringitbildung → Sprengwirkung).
Nivellierprüfung & Meterriss
Wir prüfen per Laser die Rohdecke. Der Meterriss ist unsere Referenz für die exakte Aufbauhöhe. Bei erdberührten Böden installieren wir eine Abdichtung gegen aufsteigende Feuchte.
Dämmung & Randstreifen
Verlegung der Wärme- und Trittschalldämmung. Wichtig: Der Randdämmstreifen wird penibel an allen aufgehenden Bauteilen befestigt, um Schallbrücken zu verhindern.
Schutzfolie & Heizrohre
Die Abdeckfolie (Schrenzlage) wird dicht verklebt, damit kein Estrichwasser in die Dämmung läuft. Darauf erfolgt (durch den Heizungsbauer) die Montage der Fußbodenheizung.
Einbringen des Fließestrichs
Wir pumpen den CAF in den Raum. Mittels Schwabbelstange wird er durchgeschlagen. Er nivelliert sich selbstständig zu einer absolut ebenen Fläche.
Ruhephase & Belüftung
48h Bautenschutz (kein Betreten, keine Zugluft). Danach beginnen Sie mit intensivem Stoßlüften, um die Baufeuchte abzutransportieren.
Anschleifen (Reinigungsschliff)
Nach ca. 5-10 Tagen (je nach Begehbarkeit) schleifen wir die Oberfläche an, um die Sinterschicht zu brechen. Das beschleunigt die weitere Trocknung massiv.
Funktionsheizen & Belegreife
Frühestens ab Tag 7 starten wir das Funktionsheizen nach DIN EN 1264. Nach erfolgreicher CM-Messung (≤ 0,3 CM-% bei FBH) ist Ihr Boden bereit für Parkett oder Fliesen.
Kosten
Was kostet Calciumsulfatestrich?
Preisfaktoren
Senkt den Preis
Erhöht den Preis
Preisspanne
22–45 €/m²
Material + fachgerechte Verlegung nach DIN 18560
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Ja, im häuslichen Bad ist das möglich, aber es erfordert Sorgfalt. Da CA-Estrich bei Nässe an Festigkeit verliert, muss eine vollflächige Abdichtung unter den Fliesen (Verbundabdichtung) gemäß DIN 18534 lückenlos ausgeführt werden. Bei bodengleichen Duschen empfehlen wir sicherheitshalber oft Zementestrich.
CA-Estrich ist in der Regel nach 2–3 Tagen begehbar. Voll belastbar ist er meist nach 5 Tagen. Wichtig: Ab dem 3. Tag muss intensiv gelüftet werden (Stoßlüften), um die Feuchtigkeit abzutransportieren.
Ja. Bei Fließestrich bildet sich oft eine weiche "Sinterschicht" oder ein Häutchen an der Oberfläche. Diese muss durch einen Reinigungsschliff entfernt werden (meist nach 5-10 Tagen), damit der Estrich schneller trocknet und Kleber später haften. Wir bieten das oft als Zusatzleistung an.
Erstens umschließt der flüssige Estrich die Heizrohre zu 100% – keine Lufteinschlüsse wie bei erdfeucht verlegtem Zementestrich. Zweitens ermöglicht er dünnere Schichten (35mm Überdeckung bei F5 statt 45mm bei CT F4), was die Wärme schneller in den Raum bringt. Drittens kann das Funktionsheizen bereits ab Tag 7 starten – deutlich früher als bei Zement.
Im Gegensatz zu Zementestrich sind "echte" Schnellbinder bei Calciumsulfat unüblich oder technisch anders. Die Trocknung wird primär durch das frühe Funktionsheizen (schon ab Tag 7 möglich) und gutes Lüften beschleunigt.
